Fütterung von Rotwild im Gehege

Die Fütterung von Rotwild und Damwild im Gehege ist sehr wichtig, weil im Winter weder zu viel noch zu wenig Futter angeboten werden darf. Ein Beitrag von Rudolf Grabner.

 

Heu ist das wichtigste Futtermittel für Wild

Bedarfswerte – ein wichtiger Anhaltspunkt

Die hier angeführten Bedarfswerte nach Kamphues et. al aus 2004 geben an, dass Kälber, Schmaltiere, Schmalspießer und Alttiere etwa 2,5 bis 3% ihres Körpergewichts als Futter aufnehmen (als Trockenmasse abgekürzt T). Je nach Gewicht lässt sich der tägliche Bedarf für ein Tier bzw. eine Herde gut abschätzen.

In einer Annäherung kann auch bei Damwild die tägliche Futteraufnahmen - auf Trockenmasse - mit den Faktoren 2,5 – 3% des Körpergewichtes berechnet werden. Damwild ist deutlich leichter als Rotwild und hat einen geringeren täglichen Futterbedarf.    

Bedarfswerte für die tägliche Energie- und Nährstoffversorgung von Rotwild während der Winterperiode (nach Kamphues et.al. 2004)

Tierkategorie

Körper-masse (KM) in kg

Futteraufnahme (Trockenmasse) 2,5-3% der Körpermasse

Energie in  MJ ME pro Tier und Tag

Rohprotein

g pro Tier

Ca

g

P

g

Kälber

40-60

1,0 -1,8 kg 

10,5-12,0

120-140

10

6

Schmaltiere

70-80

1,7-2,4 kg   

12,5-14,5

150-170

9

5

Alttiere

90-110

2,2-3,3 kg   

14,0-17,0

170-190

11

6

Hirsche (2%)

120-180

2,4-3,6 kg  

18,5-24

140-180

8

4

Eingesetzte Futtermittel

Als hauptsächliche Futtermittel werden Heu, Grassilage und Maissilage eingesetzt. Heu ist ein sehr guter Rohfaserträger und daher sehr wichtig. Für Wild im Gehege ist wichtig, dass es sich satt fressen kann. Ist das angebotene Futter zu gut, kann es zu einer Überversorgung mit Energie und Eiweiß kommen.

Übersicht Futtermittel (Futterwerttabelle nach Resch et.al.2006)

Futter

Rohfaser g/kg Trocken-masse

Rohprotein in g/kg T

Energie   in MJ ME/kg T

Ca

g/kg T

P

g/kg T

Fe

g/kg T

Zn

g/kg T

Grünäsung mittel

214

185

10,1

10,8

3,4

603

43

Grassilage 1.Schnitt

248

158

10,1

8,0

3,3

799

38

Heu 1.Aufwuchs

314

101

8,7

6,1

2,4

428

31

Maissilage

230

74

10,3

2,4

1,9

179

30

Biertreber

167

256

11,5

2,5

5,2

125

83

Empfohlene Ration für Rotwild im Winter

Phase II ist hier als Winter mit großer Kälte wie im Jänner und Februar zu verstehen. Hier reduziert das Wild die Nährstoffumsätze und es braucht weniger zum Fressen. Rationen mit Heu und einer Mineralstoffergänzung würden hier ausreichend sein. Rationen mit Grassilage können relativ leicht eine Überversorgung mit Eiweiß bringen. Kraftfutter ist hier normal nicht notwendig, kann aber als Lockfutter gegeben werden.

Empfohlene Rationen für Rotwild (nach Dr. Deutz)

Phase

Heurationen

Heu + Grassilage

Heu + Maissilage

Heu + Kraftfutter

Phase II (Winter)

Rohfaserreiches Heu (in Blüte geerntet)

Rohfaserreiches Heu (80%) plus gute Grassilage (20%)

Heu: 2,4 kg Trockenmasse = 2,7 kg Frischmasse

Grassilage: 0,6 kg Trockenmasse = 1,8 kg Frischmasse pro Stück

Rohfaserreiches Heu (80%) plus Maissilage        (20%)

Heu: 2,4 kg Trockenmasse = 2,7 kg Frischmasse

Maissilage: 0,6 kg Trockenmasse = 1,8 kg Frischmasse pro Stück

Rohfaserreiches Heu plus 250 g Getreide                      je Stück

Heu: 2,4 kg Trockenmasse = 2,7 kg Frischmasse

Getreide: 0,25 kg Trockenmasse = 0,29 kg Frischmasse pro Stück

Phase III (Spätwinter)

Sehr gutes blattreiches Heu – Grummet

Rohfaserreiches Heu (60%) plus gute Grassilage (40%)

Rohfaserreiches Heu (60%) plus Maissilage (40%)

Rohfaserreiches Heu plus 400 g Getreide je Stück

 

Beispiele für Rationen

In der Folge werden einige Beispiele für Rationen angeführt. Wichtig ist es, dass die Herde eingeschätzt wird und dass man Gesamtberechnungen anstellt.

Bedarfswert bei einem Alttier

Tierkategorie

Körper-masse (KM) in kg

Futteraufnahme (Trockenmasse) 2,8% der Körpermasse

Energie

MJ ME

Rohprotein

g

Ca

g

P

g

Alttier

100

 2,8 kg

16,0

180

11

6


Nur Heu – Beispiel eines Schmaltieres

Tierkategorie

Körper-masse (KM) in kg

Futteraufnahme (Trockenmasse) 2,8% der Körpermasse

Energie MJ ME

Rohprotein

g

Ca

g

P

g

Schmaltier

80

80x2,8% = 2,2 kg

16,0

180

11

6

Heu

 

2,2 kg

8,7 x 2,2

=19,1

101 x 2,2

=222,2

6,1x2,2

= 13,4

2,4x2,2

=5,3

 

Diff.

0

+ 3,1

+ 42,2

+ 2,4

-        0,7

Heu plus Grassilage (je 50%) bei einem Altier

Tierkategorie

Körper-masse (KM) in kg

Futteraufnahme (Trockenmasse) in % der Körpermasse

Energie MJ ME

Rohprotein

g

Ca

g

P

g

Alttier

90-110

2,5-3% = 3 kg

16,0

180

11

6

Heu

 

1,5 kg

8,7 x 1,5

=13,05

101 x 1,5

=151,5

6,1x1,5

= 9,15

2,4x1,5

=3,6

Grassilage

 

1,5 kg

10,1 x 1,5

= 16,5

158 x 1,5

= 237,0

8,0x1,5

= 12,0

3,3x1,5

=4,9

 

Summe

3,0 kg

29,55

388,5

21,15

8,5

 

Diff.

0

+ 13,55

+ 208,5

+10,15

+ 2,5

Heu plus Grassilage plus Maissilage (je 33%) - Alttier

Tierkategorie

Körper-masse (KM) in kg

Futteraufnahme (Trockenmasse) in % der Körpermasse

Energie MJ ME

Rohprotein

g

Ca

g

P

G

Alttiere

90-110

2,5-3% = 3 kg

16,0

180

11

6

Heu

 

1 kg

8,7 x 1

= 8,7

101 x 1

=101

6,1x1

= 6,1

2,4x1

=2,4

Grassilage

 

1 kg

10,1 x 1

= 10,1

158 x 1

= 158,0

8,0x1

= 8,0

3,3x1

=3,3

Maissilage

 

1 kg

10,3 x 1

= 10,3

74 x 1

= 74

2,4 x 1

= 2,4

1,9 x 1

1,9

 

Summe

3,0 kg

29,1

333,0

16,5

7,6

 

Diff.

0

+ 13,1

+ 153

+5,5

+1,6

Bewertung der Rationen

Nur HEU

50% Heu + 50% Grassilage

1/3 Heu + 1/3 Grassilage + 1/3 Maissilage

Als Alleinfutter ausreichend bei Angebot zur freien Aufnahme (etwa 3 kg pro Tag)

Grassilage ist eiweißreich – daher nicht als Alleinfutter einsetzen. Heu in der Blüte geerntet ist passend.

Heuanteil eventuell noch erhöhen; ansonsten recht gute Mischung.

Leichte Überversorgung mit Eiweiß und Energie

Überversorgung mit Energie – deutlich zu viel Eiweiß

Überversorgung mit Energie – zu viel Eiweiß

 

Aktuelles

  • Landwirte können Verlustausgleich beantragen!

    In intensiven Verhandlungen mit dem Landwirtschaftsministerium haben Vertreter des Bauernbundes und der Landwirtschaftskammer erreicht, dass Landwirten verlorene Einkünfte aufgrund COVID-bedingter Ausfälle teilweise ersetzt werden. 

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